Das Lager ( Die heutige Medem-Kaserne)
Der größte Gefangenenausbruch im I. Weltkrieg

Im ersten Weltkrieg befand sich auf dem Gelände der heutigen Medem -Kaserne,ein Kriegsgefangenenlager (POW Prisioners of War). Das Lager 1 befand sich zwischen der heutigen Bodenstraße, Grimmenstein und Liebigstraße in Holzminden. In diesem Lager wurden hauptsächlich Offiziere aus feindlichen Ländern gefangen gehalten.
Das Lager 2 für Zivilpersonen und unerwünschte Deutsche war in der Nähe des heutigen Landschulheimes dort waren einige tausend Personen gefangen halten, hauptsächlich Franzosen und unerwünschte Deutsche.
Der größte Anteil der Kriegsgefangenen im Lager 1 waren englische Offiziere,aber auch viele Kolonialsoldaten.Die wichtigsten Gebäude des Lagers bestand aus zwei Kasernen A + B.
Dieses miltärische Kriegscamp wurde 1917 eröffnet unter der Leitung des Kommandanten
Hauptmann Karl Niemeyer von der 10ten Armee


Laut Aussage von Terry Charman,leitender Historiker am Imperial Kriegs- Museum in London, war Holzminden ,das schlimmste Kriegsgefangenenlager in Deutschland und hatte einen Ruf wie Coldlitz. Sein Kommandant Karl Niemeyer,war besonders brutal.
Im Jahre 1917 gab es schon 17 Fluchtversuche im ersten Monat,der Eröffnung des Lagers.
Alle Fluchtversuche waren erfolglos.
Ende April 1917,wurde Captain Smith und etwa 100 andere englische Offiziere,bei der deutschen Offensive im ersten Weltkrieg gefangen genommen. und kamen in das Offizierslager Holzminden,welches unter der Kontrolle der 10.deutschen Armee stand.
Der damals berüchtigte Kommandant Niemeyer hatte vorher 17 Jahre in den Vereinigten Staaten gelebt und beherrschte die englische Sprache perfekt. Für scheinbar geringfügige Verstöße gegen seine Regeln wurden extreme Strafen gehandhabt,hauptsächlich Einzelhaft.
Die Nahrungsmittelversorgung war katastrophal,viele Lebensmittelpakete kamen nicht bei den Soldaten an,die Gefangenen hungerten und lebten am körperlichen Existenzminimum.
Der erste Gedanke in den Köpfen der Soldaten,war natürlich die Flucht.Der Kommandant Niemeyer,machte aber allen Offizieren klar,das aus seinem Lager eine Flucht,ein Ding der Unmöglichkeit wäre und jeder Fluchtversuch drakonisch bestraft würde.
Allerdings im Oktober 1917 hatte eine kleine Gruppe von Offizieren den Plan,einen Tunnel zu graben.
Nach 9 Monaten Schwerstarbeit,hatte der Tunnel die beachtliche Länge von 60 Metern

Der Tunnel wurde gegraben aus dem Keller der Kaserne B,der Abstand zur Außen-Mauer des Lagers betrug dort etwa 10 Meter. Außerhalb wo der Tunnel endete,war ein Roggenfeld, nicht einsehbar von den deutschen Wachen.Der Fluchtversuch mußte also stattfinden bevor der Roggen geerntet wurde.

Die Gefangenen hatten ein Zimmer in der Kaserne in der Sie deutsche Uniformen nachahmten und mit einer kleinen Kamera Ausweise fälschten,um die Flucht möglichst perfekt zu machen.
Am 24 Juli 1918,begann die Flucht mit 60 Offizieren,aber bei dem 30 ten Flüchtling Major Jack Shaw,stürzte der Tunnel ein und er mußte umkehren.
Von den anderen 29 Offizieren,die aus dem Tunnel kamen wurden 17, früher oder später wieder gefangen genommen
.Auch weil ein Landwirt die Flüchtigen auf seinen Feld entdeckte mit Füßen trat und sofort Alarm schlug.
Aber die restlichen 10 Offizieren erreichten neutrales Gebiet,unter der Führung von Wing Commander Charles Rathborne. Nach drei Tagen erreichten Sie ,dank Ihrer perfekten Tarnung
(Falsche Uniformen + Ausweise),die holländische Grenze.
Der englische Offizier HG. Durnford,der an dem Tunnelausbruch beteilligt war,schrieb dann später 1920 das Buch " The Tunnelers of Holzminden",was ein Bestseller wurde, aber bei uns völlig unbekannt ist.
Die Geschichte des Tunnelausbruches wurde später verfilmt in dem Kriegsfilm " The great Escape",dt, Titel war " Gesprengte Ketten", mit Steve McQueen,Charles Bronson etc.
Es ist erwiesen,das es sich um die Geschichte vom Camp Holzminden handelt,die in den zweiten Weltkrieg verlegt wurde und um die Geschichte des Lagers StalagII
Das Londoner Imperial Kriegs- Museum,eröffnete im Sept 2008,eine viel beachtete Ausstellung " 90th Years First World War", in der ausführlich in 2 Räumen mit Photos und geschichtlichen Austellungsstücken der Tunnelausbruch von Holzminden dokumentiert wird.
Es war der größte Gefangenenausbruch im ersten Weltkrieg und Holzminden wurde dadurch weltberühmt.
Über diese spektakuläre Flucht,wurde damals in allen englischsprachigen Zeitungen berichtet,sogar in der New York Times.

Im Vordergrund der Block B des früheren Gefangenenlagers ,wo vom Eingang links der 60m lange Tunnel anfing, auf dem Areal der heutigen Medem - Kaserne.
Die beiden großen Gebäude der heutigen Kaserne ist das einzige vollständig erhaltene
Kriegsgefangenlager aus dem Ersten Weltkrieg in Deutschland.
Der Ausbruch der 29 Officiere aus dem POW- Prisioner-camp fand am 26 Juli 1916 statt und ist 2016 immerhin 100 Jahre her.